ERA vs. FIP Diskrepanz: Unterbewertete Pitcher durch Metrik-Vergleich erkennen

ERA vs FIP Diskrepanz - unterbewertete Pitcher für Wetten finden

Die wertvollste Diskrepanz im Baseball-Wettmarkt

Anfang 2020 entdeckte ich einen Pitcher der Mariners mit ERA 4,80, den der gesamte Markt als schwach einstufte. Seine Quoten waren aufgebläht, sein Team stand als Underdog bei 2,60. Dann schaute ich auf seinen FIP: 3,25. Der Unterschied von 1,55 Punkten sagte mir: Dieser Pitcher pitcht deutlich besser, als sein Ergebnis zeigt. Ich nahm den Underdog. In den folgenden 8 Starts fiel seine ERA auf 3,40 – genau dorthin, wo sein FIP es vorhergesagt hatte. Die Quoten zogen nach, und mein Edge war verschwunden. Aber in den ersten 8 Wetten lag er da – glasklar und profitabel.

Die Diskrepanz zwischen ERA und FIP ist einer der konsistentesten Value-Indikatoren im Baseball. Beim dritten Durchgang durch die Batting Order steigt der OPS+ der Batter von 91 auf 117 – aber ob das die ERA oder den FIP stärker beeinflusst, hängt davon ab, wie viel Kontrolle der Pitcher über das Ergebnis hat. FIP isoliert genau diese Kontrolle.

Im Strategieleitfaden habe ich FIP eingeführt. Hier geht es um die praktische Anwendung der ERA-FIP-Diskrepanz für Wetten.

ERA versus FIP – was jede Metrik tatsächlich misst

ERA (Earned Run Average) misst das Endergebnis: Wie viele verdiente Runs hat der Pitcher pro 9 Innings zugelassen? Diese Zahl enthält alles – gute und schlechte Feldspieler, Glück und Pech, Wind und Wetter.

FIP (Fielding Independent Pitching) misst nur das, was der Pitcher direkt kontrolliert: Strikeouts, Walks, Hit Batsmen und Home Runs. Alles andere – ob ein Groundball zum Hit wird oder gefangen wird, ob ein Flyball knapp über den Zaun oder knapp davor landet – wird herausgerechnet. FIP beantwortet die Frage: Wie gut pitcht dieser Spieler, wenn wir alles eliminieren, was er nicht kontrolliert?

Die Formel: FIP = ((13 x HR) + (3 x (BB + HBP)) – (2 x K)) / IP + Konstante. Die Konstante wird jedes Jahr so angepasst, dass der Liga-Durchschnitt des FIP dem Liga-Durchschnitt der ERA entspricht. Dadurch sind die beiden Metriken auf derselben Skala und direkt vergleichbar.

Rob Manfred betonte, dass in einem Umfeld legalisierter Sportwetten der Zugang zu Daten entscheidend sei und man dafür eine Beziehung zu den Wettanbietern brauche. Für uns als Wetter heißt das: Die Datenqualität steigt, und fortgeschrittene Metriken wie FIP werden zugänglicher. Wer sie nutzt, hat einen Vorteil gegenüber dem Massenmarkt.

Die Diskrepanz als Value-Signal

Wenn die ERA eines Pitchers deutlich über seinem FIP liegt, bedeutet das: Der Pitcher hat mehr Runs zugelassen, als seine eigentliche Pitching-Qualität erwarten lässt. Das kann zwei Gründe haben: schwache Defensive hinter ihm oder einfach Pech – Bälle, die knapp zu Hits wurden statt gefangen zu werden.

In beiden Fällen ist die Regression wahrscheinlich. Pech mittelt sich über die Zeit aus. Und selbst bei schwacher Defensive: Wenn der Pitcher seine Strikeouts und Walk-Rate beibehält, wird seine ERA zum FIP hin konvergieren. Der Markt, der auf ERA-basierte Quoten setzt, hat den Pitcher zu diesem Zeitpunkt noch als schwächer eingestuft, als er ist.

Umgekehrt: Eine ERA deutlich unter dem FIP signalisiert Glück. Der Pitcher hat bessere Ergebnisse erzielt, als seine Pitching-Qualität rechtfertigt. Regression nach oben ist wahrscheinlich – und der Markt überbewertet diesen Pitcher.

In der Saison 2024 warfen Starters im Schnitt 5,24 Innings bei etwa 86 Pitches. Diese kurze Starterlänge bedeutet: Die ERA-Stichprobe jedes einzelnen Starts ist klein, und Zufallsschwankungen haben großen Einfluss. FIP ist bei kleinen Stichproben stabiler als ERA, was den FIP-Wert für die kurzfristige Wettanalyse besonders wertvoll macht.

xERA als Ergänzung zum Bild

Neben FIP gibt es xERA – Expected ERA -, die noch einen Schritt weitergeht. xERA nutzt Statcast-Daten wie Exit Velocity und Launch Angle, um zu berechnen, welche ERA ein Pitcher basierend auf der Qualität der Kontakte gegen ihn erwarten sollte. Wenn ein Pitcher viele Hard-Hit-Balls zulässt, aber trotzdem eine niedrige ERA hat, wird seine xERA höher sein – und eine Korrektur nach oben wahrscheinlich.

Mein Dreieck der Pitcher-Bewertung: ERA zeigt mir das Ergebnis. FIP zeigt mir die Pitcher-Qualität. xERA zeigt mir die Kontaktqualität. Wenn alle drei in die gleiche Richtung zeigen, bin ich sehr zuversichtlich. Wenn sie divergieren, muss ich differenzieren – und genau in dieser Differenzierung liegt der Wettvorsprung. Ein Pitcher, dessen ERA hoch ist, aber FIP und xERA beide niedrig sind, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit unterbewertet. Wenn nur der FIP niedrig ist und die xERA mit der ERA übereinstimmt, könnte die schwache ERA durch qualitativ schlechte Kontakte gerechtfertigt sein.

ERA-FIP-Diskrepanz in der Praxis nutzen

Mein System für die tägliche Analyse: Ich screene alle Starting Pitcher des Tages nach ERA-FIP-Differenzen von mehr als 0,50 Punkten. Bei positiver Differenz (ERA > FIP) ist der Pitcher unterbewtet – sein Team bietet potenziell Value. Bei negativer Differenz (ERA < FIP) ist der Pitcher überbewertet – die Gegenseite bietet Value.

Ein konkretes Beispiel: Pitcher X hat ERA 4,40 und FIP 3,30. Die Differenz beträgt 1,10 Punkte. Die Moneyline seines Teams steht bei 2,30 – also Underdog. Meine Frage: Ist die Quote bei 2,30 fair, wenn der Pitcher tatsächlich auf einem 3,30-Niveau pitcht statt auf einem 4,40-Niveau? In den meisten Fällen ist sie zu hoch – der Markt sieht die 4,40 ERA und preist sie ein, ich sehe den 3,30 FIP und erkenne den Value.

Natürlich ist ERA-FIP nicht der einzige Faktor. Das gegnerische Lineup, der Ballpark, das Wetter – alles fließt in die Gesamtbewertung ein. Aber die ERA-FIP-Diskrepanz ist der stärkste Einzelfilter, den ich kenne. In meinen neun Jahren hat kein anderer Indikator so konsistent Value produziert wie die Identifikation von Pitchern, deren ERA ihren wahren Wert nicht widerspiegelt.

Ein Detail zum Timing: Die besten ERA-FIP-Trades entstehen nach 8 bis 12 Starts, wenn die Stichprobe groß genug ist, um den FIP ernst zu nehmen, aber klein genug, dass die ERA noch nicht konvergiert hat. Ab etwa 20 Starts beginnt die ERA sich dem FIP anzunähern, und der Markt korrigiert seine Einschätzung. Das Zeitfenster für Value liegt also typischerweise zwischen Ende Mai und Mitte Juli – genau die Phase, in der die meisten Wetter noch auf der Saison-ERA basieren.

Die vollständige Pitcher-Analyse integriert diesen Ansatz in ein Gesamtsystem.

Ab welcher Differenz zwischen ERA und FIP ist ein Pitcher potenziell unterbewertet?

Eine Differenz von 0,50 Punkten oder mehr ist ein erstes Signal. Ab 0,80 bis 1,00 Punkten wird die Diskrepanz statistisch signifikant und deutet stark auf Regression hin. Differenzen über 1,50 Punkte sind selten und lösen sich fast immer innerhalb von 6 bis 8 Wochen auf – das Fenster für Value-Wetten ist also zeitlich begrenzt.

Wo kann ich ERA- und FIP-Werte gleichzeitig vergleichen?

FanGraphs ist die beste Quelle – dort findest du ERA, FIP und xFIP nebeneinander in den Pitcher-Profilen und Leaderboards. Baseball Savant ergänzt mit xERA und Statcast-basierten Metriken. Beide Seiten sind kostenlos und ohne Registrierung nutzbar. Für den schnellen täglichen Check reicht das FanGraphs-Leaderboard, sortiert nach ERA-FIP-Differenz.

Erstellt von der Redaktion von „Baseball Wetten Strategie“.